CO2-Preis 2027: Warum sich energetische Sanierung jetzt noch mehr lohnt
Während die BEG-Förderung 2026 an mehreren Stellen sinkt, steigt gleichzeitig ein zweiter Kostenfaktor, den viele Eigentümer nicht auf dem Schirm haben: der CO2-Preis aufs Heizen. Ab 2028 bildet sich der Preis dann im europäischen Emissionshandel am Markt, und damit steigt das Risiko spürbar höherer Kosten für Öl und Gas – unabhängig von jeder Förderpolitik. Wer jetzt saniert, sichert sich nicht nur die aktuell noch höheren Fördersätze, sondern schützt sich zusätzlich vor absehbar steigenden laufenden Heizkosten.
Aktualisierung vom 18. September 2026: Für den Preiskorridor 2027 liegt inzwischen ein Gesetzentwurf vor. Die Bundesregierung hat im September 2026 einen Entwurf zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes in den Bundestag eingebracht (Bundestags-Drucksache 21/7869). Danach soll sich der CO2-Preis 2027 – wie schon 2026 – in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne bilden. Hintergrund ist die Verschiebung des europäischen Emissionshandels für Gebäude und Verkehr (ETS 2) auf 2028. Der Entwurf ist noch nicht beschlossen.
Kurz gesagt: Der CO2-Preis verteuert Heizöl und Erdgas. Für 2027 sieht ein Gesetzentwurf wie schon 2026 einen Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne vor, beschlossen ist er noch nicht. Gleichzeitig ist die BEG-Förderung seit Juli an mehreren Stellen gesunken. Wer sanieren will, sollte deshalb jetzt rechnen, am besten mit einem Sanierungsfahrplan.
Was ist die CO2-Bepreisung – und was ändert sich 2027?
Seit einigen Jahren wird auf fossile Brennstoffe wie Heizöl und Erdgas ein CO2-Preis pro Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid erhoben. 2025 lag dieser fixe, staatlich festgelegte Preis bei 55 € pro Tonne. Für 2026 gilt ein Korridor von 55 bis 65 € pro Tonne, also noch mit einer staatlichen Preisobergrenze. Für 2027 sieht ein Gesetzentwurf denselben Korridor vor, beschlossen ist er noch nicht. Ab 2028 wird der Preis nicht mehr politisch festgelegt, sondern durch den europäischen Emissionshandel ETS2 am Markt gebildet – also durch Angebot und Nachfrage. Wie hoch dieser Marktpreis ausfällt, weiß heute niemand: Die veröffentlichten Szenarien verschiedener Institute liegen weit auseinander, und keines davon ist eine belastbare Vorhersage. Wir rechnen deshalb unten bewusst mit Annahmen statt mit Prognosen – damit Sie die Größenordnung einschätzen können, ohne sich auf eine Zahl zu verlassen, die niemand garantieren kann.
Was bedeutet das konkret für Ihre Heizkosten?
Bei 65 € pro Tonne macht der CO2-Preis rund 1,2 Cent je Kilowattstunde Erdgas und rund 17 Cent je Liter Heizöl aus, jeweils ohne Mehrwertsteuer. Für ein Einfamilienhaus mit einem Gasverbrauch von rund 20.000 kWh im Jahr bedeutet das:
- 2027 bei 65 €/t: rund 240 € CO2-Mehrkosten pro Jahr
- 2028 bei 100 €/t: rund 360 € pro Jahr
- 2030 bei 150 €/t: rund 540 € pro Jahr
Für unsanierte Altbauten mit schlechter Energieeffizienzklasse (G) und entsprechend hohem Verbrauch fallen die Mehrkosten deutlich höher aus – je nach Preisszenario zwischen 787 und 3.631 € zusätzlich pro Jahr. Der Unterschied zwischen einem sanierten und einem unsanierten Haus wird also nicht kleiner, sondern von Jahr zu Jahr größer.
Wie stark das bei Ihnen durchschlägt, hängt vom Zustand des Hauses ab. Warum die Heizkostenabrechnung nach einer Sanierung manchmal trotzdem hoch bleibt, lesen Sie in unserem Beitrag zu hohen Heizkosten trotz Sanierung.
| Jahr | CO2-Preis je Tonne | Grundlage | CO2-Kosten pro Jahr ohne Mehrwertsteuer, gerundet |
|---|---|---|---|
| 2026 | 55 bis 65 € | gesetzlich festgelegter Korridor | bis rund 240 € |
| 2027 | 55 bis 65 € | Korridor laut Gesetzentwurf, noch nicht beschlossen | bis rund 240 € |
| 2028 | Annahme 100 € | Marktpreis im EU-Emissionshandel | rund 360 € |
| 2030 | Annahme 150 € | Marktpreis im EU-Emissionshandel | rund 540 € |
Rechner: So viel CO2-Preis zahlen Sie beim Heizen
Rechengrundlage: Erdgas 0,181 kg CO2 je kWh laut Gasrechnung (brennwertbezogen), Heizöl 2,68 kg CO2 je Liter, nach den Emissionsfaktoren der Emissionsberichterstattungsverordnung 2030. Beträge auf 10 Euro gerundet. 100 und 150 Euro je Tonne sind Rechenannahmen für die Zeit ab 2028, keine Prognose.
Doppelter Effekt: sinkende Förderung, steigende Heizkosten
Wer eine Sanierung oder einen Heizungstausch vor sich herschiebt, zahlt gleich doppelt drauf. Zum einen sinkt die BEG-Grundförderung für den Heizungstausch zum ersten Quartal 2027 von 30 auf 15 Prozent, und der Klimageschwindigkeitsbonus reduziert sich alle sechs Monate um weitere 4 Prozentpunkte – Details dazu haben wir in unserem Beitrag zur BEG-Förderung 2026 zusammengefasst. Zum anderen steigen unabhängig davon die laufenden Heizkosten durch den CO2-Preis strukturell weiter an. Beide Effekte zusammen sprechen dafür, eine geplante Sanierung eher früher als später anzugehen.
Ob in Ihrem Ort langfristig ein Wärmenetz vorgesehen ist, zeigt die kommunale Wärmeplanung im Rhein-Erft-Kreis. Sie verpflichtet Sie zu nichts, hilft aber bei der Frage, welche Heizung sich für Ihr Haus rechnet.
Der Sanierungsfahrplan (iSFP): Ihr Fahrplan gegen steigende Kosten
Ein individueller Sanierungsfahrplan zeigt, in welcher Reihenfolge sich Sanierungsschritte an Ihrem Gebäude wirtschaftlich am meisten lohnen – abgestimmt auf Bausubstanz, Budget und die aktuelle Förderlandschaft. Ein weiterer Vorteil: Wer Maßnahmen entlang eines iSFP umsetzt, bekommt bei BEG-Einzelmaßnahmen einen höheren Förderrahmen und den iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten, seit Juli 2026 bei einem Haus mit einer Wohnung allerdings nur für den Kostenanteil über 30.000 €. So lässt sich die eigene Sanierung strategisch planen, statt einzelne Maßnahmen unkoordiniert und teurer umzusetzen.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der CO2-Preis 2026 und 2027?
2026 bildet er sich in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne. Für 2027 sieht ein Gesetzentwurf (Bundestags-Drucksache 21/7869) erneut 55 bis 65 Euro vor, beschlossen ist er noch nicht. Ab 2028 soll der Preis im europäischen Emissionshandel ETS 2 am Markt entstehen.
Wie viel CO2-Kosten zahlt ein Einfamilienhaus mit Gasheizung?
Bei 20.000 kWh Erdgas laut Abrechnung entstehen rund 3,6 Tonnen CO2 im Jahr. Bei 55 bis 65 Euro je Tonne sind das etwa 200 bis 240 Euro, mit Mehrwertsteuer etwa 240 bis 280 Euro. Ihren eigenen Wert zeigt der Rechner in diesem Beitrag.
Und bei einer Ölheizung?
Ein Liter Heizöl setzt rund 2,68 Kilogramm CO2 frei. Bei 2.000 Litern im Jahr sind das gut 5,3 Tonnen, bei 65 Euro je Tonne also rund 350 Euro ohne Mehrwertsteuer.
Was passiert mit dem CO2-Preis ab 2028?
Dann soll er nicht mehr politisch festgelegt werden, sondern im europäischen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS 2) entstehen. Wie hoch er dort ausfällt, weiß heute niemand. Die 100 und 150 Euro in diesem Beitrag sind Rechenannahmen, keine Prognose.
Planen Sie Ihre Sanierung strategisch
Mit einem individuellen Sanierungsfahrplan wissen Sie genau, welcher Schritt sich wann am meisten lohnt – und nutzen die Vorteile des iSFP bei der Förderung.
Sanierungsfahrplan anfragenQuellen
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Berechnung der Aufteilung der Kohlendioxidkosten – Emissionsfaktoren nach der Emissionsberichterstattungsverordnung 2030 (Erdgas 0,20088 kg CO2/kWh und Heizöl 0,2664 kg CO2/kWh, jeweils heizwertbezogen) (bundeswirtschaftsministerium.de), abgerufen am 24.09.2026
- Deutscher Bundestag, hib-Meldung vom 08.09.2026 zum Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes, Drucksache 21/7869 – Preiskorridor 55 bis 65 Euro für 2027 (bundestag.de), abgerufen am 19.09.2026
- Gesetzentwurf im Wortlaut, Bundestags-Drucksache 21/7869 (PDF), abgerufen am 19.09.2026
- BAFA, „Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle“ – iSFP-Bonus und Mindestinvestitionsvolumen (bafa.de), abgerufen am 25.09.2026
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